Wie du mit einem Fenster, einem Handy und ganz ohne Kamerakenntnisse Produktfotos machst, die im Raster deines Shops nebeneinander gut aussehen.
Sailo team10 Min. Lesezeit
Das Handy ist nicht dein Problem. Das Deckenlicht ist es.
Fast alle schlechten Produktfotos aus deutschen Wohnungen haben dieselbe Ursache, und sie ist nicht die Kamera: warmes Kunstlicht von oben, gemischt mit ein bisschen grauem Tageslicht von der Seite. Die Farben kippen ins Gelbgrüne, der Gegenstand wirft einen harten Schatten nach unten, und das Foto sieht aus wie eine Kleinanzeige um halb elf abends.
Die kurze Antwort: Stell den Gegenstand auf eine ruhige Fläche neben ein Fenster, mach das Deckenlicht aus, geh so nah ran, dass das Produkt das Bild füllt, und mach sechs Bilder statt sechzig. Bei Sailo kannst du bis zu zehn Bilder pro Produkt hochladen, und du brauchst selten mehr als vier.
Der Rest dieses Textes ist die Reihenfolge, in der du das machst, damit ein Nachmittag reicht.
Nicht das schönste Stück. Das, von dem zwölf im Regal stehen.
Der Grund ist banal und wird trotzdem regelmäßig ignoriert: Ein perfektes Foto von einem Einzelstück, das nach der ersten Bestellung weg ist, hast du für nichts gemacht. Deine Aufmerksamkeit gehört dem Artikel, den du hundertmal verkaufen willst.
Zweite Regel derselben Art: Wenn du mehrere Farben oder Varianten hast, fotografier zuerst die, die du am meisten produziert hast. Die anderen kommen später, mit denselben Einstellungen, an derselben Stelle.
Tageslicht von der Seite ist das einzige Licht, das du brauchst. Nicht von hinten, nicht von vorn, sondern quer über den Gegenstand, damit er eine Form bekommt.
Praktisch: Tisch ans Fenster, Gegenstand drauf, du stellst dich so, dass das Fenster links oder rechts von dir ist. Nicht in deinem Rücken, sonst steht dein Schatten im Bild.
Was in Deutschland dazukommt und in amerikanischen Ratgebern fehlt: Von November bis Februar hast du in vielen Wohnungen zwischen zehn und drei Uhr brauchbares Licht, und danach nicht mehr. Das ist kein Grund, aufzugeben, sondern ein Grund, Fototermine wie Backtermine zu planen. Ein Samstagvormittag im Januar bringt dir sechs gute Bilder. Ein Dienstagabend bringt dir sechs Bilder, die du im März noch mal machst.
Wolkiger Himmel ist dabei besser als direkte Sonne. Direkte Sonne macht harte Schattenkanten und ausgefressene helle Stellen. Eine graue Wolkendecke über Freiburg im Februar ist eine große weiche Lichtquelle, und Fotografen bauen genau das mit teurem Material nach.
Wenn dein Fenster nach Süden zeigt und die Sonne knallt: Häng ein weißes Bettlaken oder Backpapier davor. Ernsthaft. Das ist ein Diffusor.
Mach das Licht aus. Alle Lampen im Raum.
Mischlicht ist der Grund, warum Handyfotos nach Handyfotos aussehen. Die Kamera muss sich für einen Weißabgleich entscheiden, und bei zwei verschiedenen Lichtfarben entscheidet sie sich für keinen von beiden richtig. Dein weißer Teller wird beige, dein blaues Garn wird lila.
Bei einer einzigen Lichtquelle trifft die Kamera fast immer die richtige Entscheidung. Das ist der größte einzelne Qualitätssprung in diesem Text und er kostet dich einen Schalter.
Du brauchst keine Hintergrundrolle. Du brauchst eine Fläche, die nicht ablenkt und die du wiederfindest.
Was funktioniert:
Was nicht funktioniert: die gemusterte Tischdecke, das Sofa, der Teppich, die Arbeitsplatte mit Krümeln, und alles, auf dem im Hintergrund ein Ladekabel liegt.
Der entscheidende Punkt ist Wiederholbarkeit. Mach ein Foto von deinem Aufbau, mit dem Handy, und speicher es. Beim nächsten Mal baust du in vier Minuten dasselbe wieder auf, und deine neuen Produkte sehen aus wie deine alten. Das ist mehr wert als ein einzelnes tolles Bild.
Mehr als vier ist selten besser. Zehn gehen technisch, aber jeder zusätzliche Klick auf ein weiteres Bild ist ein Klick, den der Käufer stattdessen auf den Bestellknopf hätte machen können.
Es sieht am wenigsten spektakulär aus und es beantwortet die Frage, die dir sonst per Nachricht gestellt wird.
Bei Schmuck: an einem Ohr, an einer Hand. Bei Taschen: an einer Schulter, mit einer Wasserflasche daneben. Bei Keramik: eine Tasse neben einem Standardglas. Bei Textilien: flach hingelegt mit einem Maßband im Bild.
Und dazu die Maße in Zentimetern in die Beschreibung, ausgeschrieben. "Ca. 9 cm hoch, 8 cm Durchmesser, fasst 250 ml." Nicht "mittelgroß".
Jede Frage, die du auf dem Foto beantwortest, ist eine Nachricht, die du nicht beantworten musst, und eine Rücksendung, die nicht stattfindet. Warum das bei Widerruf direkt auf dein Ergebnis durchschlägt, steht in Widerrufsrecht im kleinen Shop.
Vier Dinge, alles andere ist egal.
Tippen, um scharfzustellen. Tipp auf dem Bildschirm genau auf den Punkt, der scharf sein soll. Bei Schmuck ist das der Verschluss, nicht der ganze Ohrring.
Belichtung nachziehen. Nach dem Tippen erscheint bei den meisten Handys ein kleiner Regler. Zieh ihn eine Spur nach unten, wenn das Bild zu hell wirkt. Ein leicht zu dunkles Foto lässt sich retten, ein ausgefressenes weißes nicht.
Nicht zoomen, sondern hingehen. Digitalzoom ist Ausschnitt plus Rechnerei. Geh näher ran. Wenn das Handy dann nicht mehr scharfstellt, geh einen halben Schritt zurück, das ist die Naheinstellgrenze.
Kein Blitz, kein Porträtmodus. Blitz von vorn macht flache, harte Bilder mit Schlagschatten. Der Porträtmodus rechnet einen künstlichen Unschärfeverlauf, der an Produktkanten regelmäßig ausfranst, und bei Schmuck und Griffen sieht man das sofort.
Eine E-Mail über Preise, Fotos, Versand und Bezahltwerden. Keine Werbung, keine Füllsätze.
Öffne das Bild in der Fotos-App deines Handys. Drei Dinge, in dieser Reihenfolge:
Finger weg von Filtern und von Sättigung. Ein hochgedrehtes Rot, das der Käufer im Paket nicht wiederfindet, ist eine Rücksendung mit Ansage.
Wichtig ist wieder die Wiederholbarkeit: Merk dir die drei Werte, die du verwendet hast, und nimm bei allen Bildern desselben Shoots dieselben.
Alles, was glänzt. Schmuck, Glas, glasierte Keramik. Metall spiegelt seine Umgebung, also fotografierst du in Wirklichkeit deine Küche. Die Lösung ist nicht mehr Licht, sondern weniger Umgebung: Stell einen weißen Karton oder ein weißes Blatt Papier so hin, dass sich das im Objekt spiegelt statt deiner Schranktür. Und zieh ein dunkles Oberteil an, weil du dich sonst selbst im Ring wiederfindest.
Alles, was dunkel ist. Schwarzes Leder, dunkelblaue Wolle, dunkles Holz. Die Kamera macht daraus grauen Matsch, weil sie versucht, das Bild auf mittleres Grau zu bringen. Zieh die Belichtung bewusst nach unten und stell den Gegenstand auf einen hellen Hintergrund, damit die Kanten sichtbar bleiben. Ein dunkles Produkt auf dunklem Untergrund ist die häufigste Ursache für ein Foto, bei dem der Käufer die Form nicht erkennt.
Alles, was frisch ist. Backwaren, Blumen, Lebensmittel. Hier ist die Reihenfolge das Problem, nicht das Licht: Fotografier zuerst, iss oder verpack danach. Und plan die Zeit so, dass du das Fenster hast, wenn die Sache fertig ist, nicht zwei Stunden später.
Keine Ringleuchte. Keine Lichtbox. Kein Stativ, kein Objektivaufsatz, keine Bezahl-App zur Bildbearbeitung.
Was tatsächlich hilft und zusammen unter zehn Euro kostet: ein Bogen weißes Papier, eine Wäscheklammer, um ihn an einem Stuhl zu befestigen, und ein Stapel Bücher, um das Handy auf eine feste Höhe zu bringen. Wenn dir später etwas fehlt, ist es meistens ein zweiter Bogen Papier in einer anderen Farbe.
Bei Sailo lädst du pro Produkt bis zu zehn Bilder hoch, als JPEG, PNG, WebP, GIF oder AVIF. Das erste ist das Hauptbild. Varianten können ein eigenes Bild bekommen, was praktisch ist, wenn du dasselbe Produkt in vier Farben hast.
Und jetzt die ehrliche Einschränkung: Es gibt eine Vorlage. Du wählst zwischen Raster- und Listenansicht, hell oder dunkel, und eine Akzentfarbe. Das ist der ganze Gestaltungsspielraum, und es gibt in Sailo keine Bildbearbeitung.
Das heißt: Du kannst dich aus schlechten Fotos nicht heraus-designen. Die Rasteransicht legt deine Bilder direkt nebeneinander, und Uneinheitlichkeit fällt dort mehr auf als auf einer Seite, wo jedes Produkt für sich steht. Ein sehr gutes Bild neben fünf mittelmäßigen sieht schlechter aus als sechs mittelmäßige mit demselben Hintergrund.
Das ist auch die gute Nachricht: Einheitlich schlägt schön.
Lena macht Ohrringe in Freiburg-Wiehre. Vierzehn Modelle, zwischen 28 und 54 Euro, das meistverkaufte für 42 Euro. Verkauf über Instagram und einen Stand auf dem Münstermarkt.
Ihr erster Versuch: sechzig Fotos an einem Abend, auf einem dunklen Holztisch, unter der Küchenlampe. Alles goldstichig, Silber sah aus wie Messing, und die Bilder nebeneinander im Raster hatten drei verschiedene Hintergrundfarben.
Ihr zweiter Versuch, an einem Samstagvormittag im Februar: Ein Bogen weißes Papier vom Schreibwarenladen, für 1,80 Euro, halb an die Wand gelehnt. Küchentisch ans Fenster geschoben. Alle Lampen aus. Sie hat drei Modelle gemacht, mit je vier Bildern, in gut zwei Stunden.
Das Größenbild war das, das die meiste Arbeit gemacht hat: Ohrring am eigenen Ohr, mit der Handykamera nach vorn, dreimal versucht, bis es scharf war. Genau dieses Bild hat die Frage "wie groß sind die eigentlich" aus ihren Nachrichten entfernt.
Was danach anders war: Die vierzehn Produkte sind nicht auf einmal fertig geworden. Sie hat vier Wochen lang samstags drei Modelle gemacht, mit demselben Papier, an derselben Stelle, mit denselben drei Reglerwerten. Die Bilder aus Woche vier passen zu denen aus Woche eins, weil der Aufbau derselbe war.
Der Aufbau, den du in vier Minuten wieder hinstellen kannst, ist mehr wert als der, der ein einzelnes perfektes Bild macht.
Wenn du fertig bist, öffne deinen Shop auf einem fremden Handy. Nicht deinem. Bei jemandem, der deine Produkte nicht kennt.
Scroll durch die Rasteransicht und frag dich bei jedem Bild: Erkenne ich, was das ist, und weiß ich, wie groß es ist? Wenn nicht, fehlt kein Filter, sondern eins der vier Bilder von oben.
Und dann lass die Person danebenstehen und einmal durchscrollen, ohne dass du erklärst. Die Stellen, an denen sie zögert, sind die Produkte, die du noch mal fotografierst.
Ein zweiter Test, der eine Minute dauert: Verkleinere die Bilder auf deinem Rechner auf Daumennagelgröße oder halt das Handy eine Armlänge weg. Was dann noch als Form erkennbar ist, funktioniert im Raster. Was zu grauem Brei wird, braucht mehr Abstand zum Hintergrund, nicht mehr Schärfe.
Dann zeig es jemandem. Wenn dir dabei auffällt, dass du gar nicht sicher bist, ob dein Preis stimmt, ist Preise kalkulieren für Handmade der nächste Schritt, nicht ein weiteres Foto. Und wenn die Bilder stehen, aber niemand sie sieht, geht es in Die ersten Bestellungen bekommen weiter. Wie sich das Ganze in einen Shop einfügt, den du in einem Nachmittag aufsetzt, steht in Online verkaufen ohne Website.
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