Was du in Deutschland wirklich brauchst, um deine ersten Sachen online zu verkaufen, und welche Pflichten schon ab der ersten Bestellung gelten.
Sailo team11 Min. Lesezeit
"Ich will erst mal zehn Tassen verkaufen, keine Firma aufbauen." Das ist der Satz, mit dem die meisten anfangen, und danach kommt fast immer der zweite: "Aber ich will auch keinen Ärger bekommen."
Beide Sätze sind vernünftig. Und der zweite ist der Grund, warum in Deutschland so viele Leute mit einem fertigen Produkt und guten Fotos monatelang nichts verkaufen. Nicht weil ihnen ein Onlineshop fehlt, sondern weil niemand ihnen sauber gesagt hat, was ab der ersten Bestellung tatsächlich für sie gilt.
Also die kurze Antwort zuerst: Du brauchst keine Website. Du brauchst eine Seite, auf der Produkt, Preis und Bestellweg stehen, einen Weg, an das Geld zu kommen, und die Pflichtangaben, die auch für sehr kleine Verkäufer gelten. Die Seite ist der einfachste Teil davon. Bei Sailo kostet sie im kostenlosen Tarif 0 Dollar und trägt bis zu 10 Produkte. Die Pflichtangaben sind der Teil, der Arbeit macht, und der Teil, um den sich die meisten Ratgeber herumdrücken.
In den meisten Ländern lautet der Ratschlag: erst verkaufen, dann formalisieren. Mach die Fotos, stell die Preise rein, sammle Bestellungen, kümmere dich später um den Papierkram.
Hier funktioniert das schlechter, und zwar aus einem sehr konkreten Grund: Ein Teil der deutschen Pflichten hängt nicht an deinem Umsatz, sondern daran, dass du überhaupt geschäftsmäßig auftrittst. Eine öffentlich erreichbare Verkaufsseite ist genau das. Es gibt also Dinge, die schon bei der ersten Bestellung gelten und nicht erst bei der hundertsten.
Das heißt nicht, dass du eine Kanzlei brauchst, bevor du deine erste Kerze verkaufst. Es heißt, dass die Reihenfolge anders ist als in jedem englischsprachigen Blogartikel, den du zu dem Thema findest:
Schritt 1 bis 3 kosten dich zusammen einen Nachmittag, wenn du dich hinsetzt. Sie kosten dich Wochen, wenn du sie vor dir herschiebst, weil sie im Hinterkopf jedes Mal mitlaufen, wenn du überlegst, den Link zu posten.
In diesem Text und in allen anderen zu deutschen Pflichten nenne ich absichtlich keine Paragrafen, keine Fristen in Tagen, keine Umsatzgrenzen und keine Steuersätze.
Das ist keine Bequemlichkeit. Diese Zahlen ändern sich, sie sind der Teil, den man am leichtesten falsch abschreibt, und eine falsche Zahl in einem Ratgeber ist schlimmer als gar keine. Was ich beschreiben kann, ist die Form der Pflicht: was sie von dir will, wo sie in deinem Ablauf sitzt, welche Frage du deinem Steuerberater oder der IHK stellst und welches Feld in deinem Shop dafür da ist.
Die Zahlen holst du dir aus einer Quelle, die dafür haftet. Das sind im Zweifel: das Gesetz im Originaltext, deine IHK oder Handwerkskammer, dein Finanzamt, dein Steuerberater. Nicht ein Blog, auch nicht dieser.
Eine Verkaufsseite ist nicht dasselbe wie eine Linkliste. Der Unterschied ist nicht Design, sondern ob der Käufer drei Fragen beantwortet bekommt, ohne noch einmal zu tippen:
Wenn eine dieser Fragen einen weiteren Klick braucht, beantwortet ein Teil der Leute sie, indem sie gehen. Das ist der eigentliche Grund, warum Linklisten schlecht verkaufen: Sie sind ein Zwischenstopp, kein Ziel.
Praktisch heißt das, deine Seite braucht pro Produkt ein Bild, einen Preis, eine kurze Beschreibung, die die eine Frage beantwortet, die Leute dir sonst per DM stellen, und einen Bestellknopf. Mehr nicht. Kein Slider, kein Newsletter-Popup, keine Über-mich-Seite mit Zitat.
Dazu kommen die Dinge, die in Deutschland dazugehören: die Anbieterkennzeichnung, die Angabe, wie sich Versandkosten berechnen, und die Information über das Widerrufsrecht, sofern es für deinen Verkauf gilt.
Es gibt viele Vorschriften. Drei davon sind die, wegen denen Leute nachts wach liegen, und nur drei.
Wer geschäftsmäßig eine Seite betreibt, muss darauf erreichbar und identifizierbar sein. Name, ladungsfähige Anschrift, eine Kontaktmöglichkeit, dazu je nach Rechtsform und Tätigkeit weitere Angaben.
Der Teil, der Leute wirklich stört, ist die Adresse. Ein Postfach reicht in der Regel nicht, und wenn du von zuhause verkaufst, steht deine Wohnadresse damit im Netz. Das ist eine echte Abwägung, keine Formalie, und es gibt Wege damit umzugehen, die man kennen sollte, bevor man die Seite live stellt. Was genau bei dir hineingehört und welche Optionen es für die Adresse gibt, steht in Impressumspflicht für kleine Shops.
Wer solche Fehler findet, ist übrigens selten der Kunde.
Auch bei einem Verkauf über 8,50 Euro an eine Privatperson erwarten deutsche Käufer eine Rechnung, und ein Teil deiner Pflichten hängt daran, dass du deine Verkäufe nachvollziehbar dokumentierst. Was auf so einer Rechnung stehen muss, hängt davon ab, ob du Umsatzsteuer ausweist oder nicht, und das wiederum von deiner Situation.
Sailo stellt bei jeder Bestellung automatisch eine Rechnung aus, in jedem Tarif, fortlaufend nummeriert pro Shop, mit einem Präfix, das du selbst setzt. Das Format ist zum Beispiel RE-0001, dann RE-0002. Es gibt einen Webseiten-Link und ein PDF. Und es gibt ein freies Textfeld, das unter jede Rechnung gedruckt wird, in dem der Hinweis steht, den dein Fall verlangt.
Was Sailo nicht macht: Umsatzsteuer-IDs prüfen, Reverse Charge, One-Stop-Shop, strukturierte E-Rechnung. Wenn du an Geschäftskunden im EU-Ausland verkaufst oder E-Rechnungen im Datenformat brauchst, ist das ein anderes Werkzeug. Die Details stehen in Rechnung schreiben als Kleinunternehmer.
Wenn du gewerblich an Privatpersonen verkaufst und der Vertrag im Fernabsatz zustande kommt, gibt es ein Widerrufsrecht. Es gibt Ausnahmen, zum Beispiel bei individuell angefertigten Sachen, und die Ausnahmen sind enger, als Leute hoffen.
Der praktische Teil ist nicht das Recht selbst, sondern der Ablauf: Der Käufer muss vorher informiert werden, du musst die Information erreichbar hinterlegen, und wenn jemand widerruft, musst du zurückzahlen, ohne dass daraus eine Diskussion wird. Der Ablauf, das Formular und die Frage, was eine Sonderanfertigung wirklich ist, stehen in Widerrufsrecht im kleinen Shop.
Eine E-Mail über Preise, Fotos, Versand und Bezahltwerden. Keine Werbung, keine Füllsätze.
Hier ist die deutsche Realität anders als in fast jedem anderen Markt: Die Überweisung ist kein Notbehelf, sondern eine völlig normale Zahlart, auch zwischen Privatleuten und kleinen Händlern. Wer in Deutschland verkauft, kann mit Bankverbindung plus Verwendungszweck anfangen und kommt damit sehr weit.
Bei Sailo hinterlegst du dafür Bankname, Kontoinhaber, Kontonummer, IBAN, BIC und ein freies Feld für Anweisungen, das der Käufer nach der Bestellung sieht. Wie du das Feld formulierst, damit der Verwendungszweck ankommt und du die Zahlung wiederfindest, steht in Per Überweisung bezahlt werden.
Die anderen Wege, die es bei Sailo gibt, sind: Karte, WhatsApp, Telegram, Instagram, E-Mail, Telefon und Nachnahme. Das ist die vollständige Liste. Kein PayPal, kein Klarna, kein SEPA-Lastschriftverfahren, kein giropay. Wenn PayPal für dich der entscheidende Knopf ist, ist das ein Ausschlusskriterium, und es ist besser, das jetzt zu wissen als nach dem dritten Produktfoto.
Karte funktioniert in Deutschland, weil Stripe hier verfügbar ist (Stand: 6. August 2026, geprüft auf stripe.com/global; die Liste ändert sich, prüf sie selbst). Dafür brauchst du den Business-Tarif für 49 Dollar im Monat oder 468 Dollar im Jahr und ein Stripe-Konto, das Stripe für Zahlungen freigegeben hat. Sailo nimmt dann 1–3 Prozent vom Warenwert nach Rabatt, ohne Versand und ohne Steuer. Stripes eigene Gebühr kommt oben drauf und steht auf Stripes Preisseite.
Bei Überweisung, Nachnahme und allen Chat-Wegen nimmt Sailo nichts, weil das Geld nie durch Sailo läuft.
Es lohnt sich, ehrlich zu sein, worüber du hier entscheidest. Deine Alternative ist selten "eine richtige Website". Sie ist meistens eine von diesen:
| Weg | Was er dir gibt | Was er dir nimmt |
|---|---|---|
| Kleinanzeigen | Käufer, die schon suchen, und zwar heute | Die Anzeige läuft aus, die Kundenbeziehung gehört dir nicht, Preisverhandlung ist die Norm |
| Etsy oder ein anderer Marktplatz | Suchverkehr für Handmade | Gebühren, Sichtbarkeit nach deren Regeln, und dein Shop hängt an deren Konto |
| Nur Instagram | Reichweite und Vertrauen | Kein Preis, kein Warenkorb, jede Bestellung ist ein Chat, den du von Hand abarbeitest |
| Eigene Seite mit Bestellfunktion | Preise, Bestellungen und Kundendaten gehören dir | Du musst Traffic selbst hinbringen, und die Pflichten liegen bei dir |
Kleinanzeigen ist dabei der ehrlichste Vergleich für viele kleine deutsche Verkäufer, weil dort die Käufer schon sind. Die Gebührenstruktur dort ändert sich, prüf sie auf deren Seite, bevor du rechnest. Der strukturelle Unterschied bleibt aber derselbe: Auf einem Marktplatz suchen Leute nach einer Sache und finden dich zufällig. Auf deiner Seite suchen Leute dich und finden deine Sachen.
Für viele ist die richtige Antwort beides. Kleinanzeigen oder Etsy, um gefunden zu werden. Eigene Seite, damit die Leute, die dich schon kennen, nicht jedes Mal im Chat nach dem Preis fragen müssen.
Miriam dreht Keramik in einer Werkstatt in Leipzig-Plagwitz. Tassen für 38 Euro, Schalen für 52 Euro, ungefähr 25 Stück im Monat, wenn es gut läuft. Bisher lief alles über Instagram-DMs und zwei Weihnachtsmärkte.
Ihre Seite hat elf Produkte. Kostenloser Tarif, weil elf unter 20 liegt. Bestellwege: Überweisung und Abholung in der Werkstatt, dazu WhatsApp für Leute, die lieber fragen als klicken.
Eine typische Bestellung: zwei Tassen, 76 Euro, Versand 5,49 Euro (das ist der Preis, den sie tatsächlich zahlt; Portotabellen ändern sich, setz deinen eigenen ein). Summe 81,49 Euro. Sie bekommt eine Benachrichtigung, die Rechnung KER-0043 wird automatisch erzeugt, der Käufer sieht die IBAN und den Verwendungszweck KER-0043. Zwei Tage später steht das Geld auf dem Konto, sie markiert die Bestellung als bezahlt, packt, versendet, trägt die Sendungsnummer ein.
Sailo kostet sie dabei: nichts. Kein Prozent, keine Gebühr, weil das Geld nie durch Sailo lief.
Jetzt die andere Rechnung. Wenn Miriam Kartenzahlung will, weil ein Teil ihrer Kunden nicht überweisen mag, sind das 49 Dollar im Monat plus 1–3 Prozent auf den Warenwert plus Stripes Gebühr. Bei 25 Bestellungen à durchschnittlich 60 Euro Warenwert sind das 1.500 Euro Warenwert, also 7,50 Euro an Sailo. Der Abopreis ist der eigentliche Kostenblock, nicht die Provision. Bei fünf Bestellungen im Monat lohnt es sich nicht. Bei fünfzig sieht es anders aus.
Bei kleinen Stückzahlen ist die Kartenzahlung fast nie das, was dir fehlt. Was dir fehlt, sind Leute, die wissen, dass es dich gibt.
Sailo kann dir nicht sagen, ob eine Überweisung angekommen ist. Nur deine Bank kann das. Es gibt keine Kontoanbindung, keinen automatischen Abgleich, keinen Haken, der von selbst grün wird. Du schaust ins Onlinebanking, findest die Zahlung, markierst die Bestellung als bezahlt.
Bei drei Bestellungen pro Woche ist das eine Minute am Tag. Bei dreißig ist es eine Aufgabe, die du planen musst, und irgendwann der Punkt, an dem Kartenzahlung sich rechnet, nicht wegen der Konversion, sondern weil sie sich selbst abhakt.
Genauso ehrlich: Es gibt keine Impressum-Seite in Sailo. Kein Feld, kein Generator, keine Vorlage. Du hostest die Anbieterkennzeichnung selbst, und wo du sie hinlegst und wie du sie verlinkst, musst du selbst lösen. Für ein Produkt, das in 35 Sprachen läuft und weltweit verkauft wird, ist das nachvollziehbar. Für dich als deutschen Verkäufer ist es trotzdem Arbeit, die du hast.
Das ist der Teil, den dir sonst niemand sagt, weil er nichts verkauft.
Du brauchst keine eigene Domain, um anzufangen. Du brauchst kein Logo. Du brauchst keine Kartenzahlung, bevor jemand dich danach gefragt hat. Du brauchst keine Produktvideos, kein Newsletter-Tool, kein Analytics-Dashboard und keine zweite Sprache auf deiner Seite.
Und du brauchst mit ziemlicher Sicherheit nicht 40 Produkte. Die meisten kleinen Shops verkaufen den Großteil über drei bis fünf Artikel, und der Rest kostet dich nur Fotos, Beschreibungen und Lagerplatz. Was du dagegen brauchst, ist eine Kalkulation, die deine eigene Arbeitszeit enthält, und einen Preis, der sie deckt.
Nimm dir einen Nachmittag, in dieser Reihenfolge:
Dann schick den Link an fünf Leute, die dich kennen. Nicht posten. Einzeln schicken. Warum das der Unterschied zwischen null und der ersten Bestellung ist, steht in Die ersten Bestellungen bekommen. Und wenn ein Teil dieser fünf lieber im Chat bestellt als auf der Seite, ist das kein Problem, sondern der Normalfall.
Geschrieben von
Sailo team
Ein Link, dein ganzer Shop.
Eine E-Mail über Preise, Fotos, Versand und Bezahltwerden. Keine Werbung, keine Füllsätze.
Sailo gibt dem Ganzen nur eine Eingangstür — damit Leute stöbern, vergleichen und Preise sehen können, bevor sie dir schreiben.
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